Interview mit Frank Brinkmann, Sprecher der Geschäftsführung der Technische Werke Dresden GmbH
Die Fusion der Drewag und der Enso schreitet weiter voran. Doch auch schon bevor die Fusion offiziell in die Umsetzung geht, arbeiten die beiden Unternehmen daran, ihre Integration voranzutreiben. Welche Rolle dabei die Regulierung und die Landespolitik spielen, warum der Zusammenschluss von Unternehmen zu größeren Einheiten auch mit Blick auf neu in das Energiegeschäft eintretende Konkurrenten aus anderen Branchen Sinn macht sowie die Frage, wo das fusionierte Unternehmen hinsteuert, sind die Themen, die unser Interview mit Frank Brinkmann, Sprecher der Geschäftsführung der Technische Werke Dresden, aufgreift.
e|m|w: Herr Brinkmann, Sie sind nun seit 18 Monaten Chef der Technischen Werke Dresden mit dem Auftrag, die Fusion von Enso und Drewag voranzubringen. Wie verlief der Start?
Brinkmann: Ich war überrascht, wie groß die Gestaltungsmöglichkeiten und der Wille, etwas zu bewegen, hier sind. Nur unter diesen Voraussetzungen ist so eine Pre-Merger- Integration zwischen Enso und Drewag, die wir hier angestoßen haben, überhaupt möglich. Was wir hier erleben, ist wahrscheinlich die letzte Integration auf der Größe eines regionalen Versorgers. Wir werden am Ende das halbe Bundesland Sachsen versorgen.
e|m|w: Wie läuft die Pre-Merger-Integration ab?
Brinkmann: Wir haben auf Management-Ebene schon Identität, auch bei Prokuristen sowie bei vielen Abteilungs- und Gruppenleitern. Auch operativ gibt es eine enge Zusammenarbeit, etwa mit der gemeinsamen Leitwarte. Auch die IT haben wir zusammengefasst. Es fühlt sich an wie ein Unternehmen, aber legal sind es zwei. Oft erleben sie ja, dass Fusionen groß angekündigt werden, aber dann an der Betriebsintegration scheitern.
e|m|w: Weil der Prozess schon läuft, gibt es aber auch keine Alternativen zur Fusion mehr?
Brinkmann: Wir könnten die wilde Ehe auch fortsetzen, aber das Risiko wäre bei so einem Modell größer.
e|m|w: Wann soll die Fusion abgeschlossen sein?
Brinkmann: Als ich hier anfing, hieß es, das werde schnell erledigt sein. Das ist aber nicht so, weil viele Vorarbeiten und Überzeugungsarbeit noch ausstanden. Wir müssen alle Einzelaktionäre der Enso überzeugen und wir haben das Steuerthema. Es war auch abzusehen, dass das vor der Landtagswahl in Sachsen Anfang September nichts wird. Deswegen haben wir auch bereits mit der Integration begonnen, damit die Aktionäre schon die Vorteile sehen können.
e|m|w: Wie reagiert denn die Belegschaft? Fusionen kosten ja in der Regel Arbeitsplätze.
Brinkmann: Die geht mit. Das liegt auch daran, dass es hier historisch schon ein gemeinsames Versorgungsunternehmen gab. Das wurde dann nach der Wende aufgeteilt. Die beiden Unternehmen sind zudem schlank aufgestellt, sodass wir keine großen Überhänge hatten. Zudem haben wir den Vorteil, dass die Region wirtschaftlich gut da steht und wir echtes Wachstum haben Das gibt Rückenwind auch für die neuen Themen, die wir angehen.
e|m|w: Könnte der Fusionsprozess, den Sie hier machen, Vorbild für weitere Fusionen auf kommunaler Ebene sein?
Brinkmann: Ich persönlich glaube an regionale Hub-Modelle. Die Großstadt und die umgebene Region gehören zusammen, das ist energiewirtschaftlich sinnvoll. So etwas habe ich schon einmal in Nürnberg und Köln begleitet. Für Deutschland böten sich eine gewisse Zahl solcher regionalen Hubs an. Sicher auch im Ruhrgebiet, leider funktioniert das dort nicht.
e|m|w: Die aktue