31.05.2023

"Die exorbitante Preisrallye war eine der zentralen Herausforderungen 2022" | Interview mit Heike Heim

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(Bild: DEW21/Schumann)
Nach fast sechs Jahren an der Spitze des Dortmunder Energieversorgers DEW21 übernimmt Heike Heim zum 1. Juni den Vorstandsvorsitz der Stadtwerkeholding DSW21. Im Gespräch mit energate blickte sie auf das abgelaufene Geschäftsjahr zurück.
energate:
 Frau Heim, Ihr letztes Jahr an der Spitze von DEW21 vor dem Wechsel zur Stadtwerkeholding hatte es in sich. Was waren aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen 2022?
Heim: Die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben das Energiejahr 2022 dominiert. Unsere riskante einseitige Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und das bis dato nie diskutierte Thema Versorgungssicherheit sind 2022 in den Fokus der gesellschaftlichen und politischen Aufmerksamkeit gerückt. Spätestens mit Einstellung der Gaslieferungen über Nordstream 1 Ende August 2022 wurde die Angst vor einer Gasmangellage im Winter zur realen Gefahr.
energate: Was wurde 2022 zur zentralen Herausforderung für DEW21?
Heim: Ich erzähle Ihnen jetzt wahrscheinlich nichts Überraschendes, wenn ich die exorbitante Preisrallye an den Energiemärkten mit den damit einhergehenden Herausforderungen für Handel, Risiko- und Liquiditätsmanagement als eine der zentralen Herausforderungen des Jahres 2022 nenne. Die Energiepreise erreichten im vergangenen Jahr Rekordhöhen mit teils dramatischen Folgen für private Haushalte und Unternehmen. Sie waren Haupttreiber der allgemeinen Inflation, die auf über 10 Prozent anstieg. Der Informationsbedarf und die Unsicherheiten auf Seiten der Kund*innen hat deutlich zugenommen: Wir hatten im Jahr 2022 mehr als 800.000 Servicekontakte und insgesamt wurden mehr als 1,25 Mio. Kund*innenbriefe verschickt.
2022 bestimmte das kurzfristige Krisenmanagement die politische Agenda, teils auf Kosten wichtiger klimapolitischer Weichenstellungen. Gleichzeitig hat das neue Jahr - nicht zuletzt preisgetrieben - eine neue Ära für die Transformation zur Klimaneutralität eingeläutet. Die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz ist stark gestiegen. Und wer hätte gedacht, dass dies sowohl sicherheitspolitische als auch klimapolitische Ziele beinhaltet?
energate: Im Energievertrieb wollte DEW21 mit der Marke Stadtenergie bundesweit neue Wege gehen. Wie behaupten sich Stadtenergie und DEW21 in der Krise?
Heim: Die Energiekrise war schon für etablierte Versorgungsunternehmen eine echte Herausforderung, für ein junges, schnell wachsendes Unternehmen mit Start-up-Charakter wie die stadtenergie war die Krise eine echte Bewährungsprobe. Diese hat die stadtenergie erfolgreich gemeistert und konnte zum Jahresabschluss 2022 einen mittleren fünfstelligen Kund*innenbestand verzeichnen. Das Unternehmen wächst planmäßig im Umsatz und konnte das Geschäftsjahr 2022 mit einem knapp 2 Mio. Euro über Plan liegenden Ergebnis abschließen. In der Krise hat sich gezeigt, wie wertvoll der digitale Geschäftsaufbau ist, da er Reaktionen auf Marktentwicklungen mit hoher Flexibilität und kurzer Umsetzungsdauer ermöglicht.
energate: Wagen Sie eine Prognose, wie es bei den Preisen weitergeht?
Heim: DEW21 hat in der Energiekrise einmal mehr ihre Verantwortung als Grund- und Ersatzversorger unter Beweis gestellt und war dank einer abwägenden und vorausschauenden Beschaffungspolitik in der Lage, die Versorgung für ihre Kund*innen jederzeit zu sichern. Dies haben wir nicht zuletzt unserer langfristigen und diversifizierten Beschaffungsstrategie zu verdanken, mit der wir die Risiken im Sinne unserer Kund*innen bestmöglich reduzieren.
Zwar mussten auch wir die Preise für unsere Kund*innen anpassen, haben dabei jedoch die gestiegenen Beschaffungskosten nicht vollumfänglich durchgereicht. Ak
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