24.05.2023

"Nach Fähigkeiten suchen und nicht nach Profilen" | Interview mit Colette Rückert-Hennen

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(Bild: EnBW AG)
Karlsruhe (energate) - Fachkräfte fehlen überall. Der Energiekonzern EnBW wirbt für seine Büro-Arbeitsplätze mit mehr Mitsprache, flexiblen Arbeitsorten und vielen Möglichkeiten zur Weiterbildung. energate sprach mit Personal- und Vertriebsvorständin Colette Rückert-Hennen über die "Menschen-zentrierte Transformation". Denn: so wie sich die Branche wandelt, müssen sich auch die Strukturen in den Unternehmen ändern.
energate: Frau Rückert-Hennen, was für eine Chefin sind Sie?
Rückert-Hennen: Ich bin eine Teamplayerin und gebe gerne Verantwortung ab. Ermöglichen und Coachen gehört zu meinen Stärken, aber mir ist auch wichtig, dass hier Leistung gezeigt wird. Ich umgebe mich gerne mit analytischen und hoch qualifizierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die mich mal challengen. Denn ich weiß auch nicht alles. Dabei kann ich von jungen Menschen genauso viel lernen, wie von Älteren.
energate: Apropos junge Menschen. Gen-Z wurde in der Öffentlichkeit teilweise als unmotiviert und faul beschrieben. Wie erklärten Sie sich dieses Bild?
Rückert-Hennen: Ich habe sehr große Sympathien für diese Generation! In meinem Freundeskreis heißt es auch, dass Gen-Z fürchterlich ist, weil sie nicht so viele Überstunden machen wollen und andere Bedarfe haben - sie wollen Beruf und Familie vereinbaren und am Wochenende mit ihren Familien auf den Spielplatz gehen. Ich aber finde es toll, dass die sich etwas trauen, was wir uns nicht getraut haben: Leistung zu bringen, aber zum Beispiel nur für 30 Stunden in der Woche und den Rest der Zeit Kunst und Kultur zu fördern, ein Start-up zu gründen oder einem anderen Hobby nachzugehen. Meine Generation konnte sich das nicht erlauben. Jetzt müssen wir aufhören über eine Generation zu schimpfen und endlich Konzepte erarbeiten, wie wir die Skills dieser jungen Leute nutzen!
energate: Mit dem Fachkräftemangel wird das Thema "Personal" wichtiger. Ist das etwas Neues für die Energiebranche? 
Rückert-Hennen: Ja, definitiv. Als die EnBW sich 2012 dazu entschied, in neue Geschäftsfelder zu gehen, musste sie sich gleichzeitig für neue Strukturen entscheiden. Als strategischer Infrastrukturpartner für den Kunden kamen Kundenorientierung und eine Geschwindigkeit hinzu, die es zuvor in diesem Ausmaß nicht brauchte. Deswegen haben wir parallel eine Menschen-zentrierte Transformation begonnen. In Teilen arbeiten wir bereits agil und damit ganz anders als noch vor einigen Jahren. 
energate: Entstehen dadurch Konflikte in der Unternehmenskultur?
Rückert-Hennen: Wir werden immer ein Unternehmen sein, in dem es stabile Unternehmensstrukturen gibt. Als voll integrierter Energieversorger gibt es für uns kein "one size fits all". Die Netze oder die Kohlekraftwerke arbeiten prozessorientiert, wodurch sich stabile Strukturen besser eignen, während der Vertrieb mit seiner engen Bindung an den Kunden anders arbeiten muss. Wenn man offen mit der Neuordnung umgeht und jeder sich darin wiederfindet, dann gibt es keinen Culture Clash.
energate: Bis 2025 müssen Sie fast 8.000 neue Stellen besetzen. Gehen Sie im Recruiting-Prozess ebenfalls unterschiedlich vor? 
Rückert-Hennen: Nein, noch ist der Prozess der Gleiche. Aktuell unterscheiden sich nur die Stellenausschreibungen. Für agile Business-Bereiche suchen wir etwa nach Product Ownern oder Cluster Leads. So würden wir keine Führungskraft in Teilen der Netzsparte ausschreiben. In Zukunft werden wir jedoch anders rekrutieren, dafür brauchen wir noch Zeit. Der Trend geht dahin, nach Fähigkeiten zu suchen und nicht nach Profilen. Ein Datenmanager kann aus der IT kommen, muss e
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