Single

Wohnflatrate als Chance für Energieversorger

Energieversorger sollten sich stärker mit dem Angebot sogenannter Wohnflatrates befassen. Diese Empfehlung gab Timo Leukefeld, Energieexperte und sogenannter Energiebotschafter der Bundesregierung, bei einer Euroforum-Tagung in Köln. Wohnflatrate-Konzepte sehen vor, dass die Energieversorger für einen monatlichen Festpreis die dezentrale Erzeugung von Wärme und Strom für Endkunden koordinieren. Die reine Energielieferung sieht Leukefeld in der kommenden "Null-Grenzkosten-Gesellschaft" als Auslaufmodell, da sich die Kosten für Solarstrom langfristig auf ein Cent/kWh dezimieren würden.

Der Energieberater entwickelt derzeit erste Pilotprojekte gemeinsam mit Energieversorgern, Wohnungsbaugesellschaften und Banken. Sie testen eine Umstellung des aktuellen Systems von Kalt- und Warmmiete auf eine Flatrate. In einigen Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern werden große Wärmespeicher eingebaut, eine gute, aber nicht zu teure Dämmung und dezentrale Erzeugungsanlagen, darunter Solarthermie und Wärmepumpen, aber auch andere Lösungen. "Die günstigste Variante, um den fehlenden Rest nachzuheizen, ist heute immer noch Gas", sagte Leukefeld.

Wohnflatrates könnten neben den Mietkosten auch das mit selbst erzeugtem Strom betriebene E-Auto beinhalten. Leukefeld nannte beispielhaft einen Preis von 12 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Diese Pauschalmiete beinhaltet 2.000 kWh Strom und 3.000 kWh Wärme. Obwohl der Strombedarf für ein Haus knapp kalkuliert scheint, verteidigte Leukefeld diese Menge. Durch intelligente Technik, beispielsweise durch den Anschluss des Geschirrspülers an das Wärmesystem, lasse sich der Strombedarf reduzieren. Das Interesse der Wohnungswirtschaft nach solchen Modellen sei groß. Auch die ersten Energieversorger zeigten Interesse.

Isabella Oppenberg, Geschäftsführerin von Energieservice Plus, einem Joint Venture der Wohnungsbaugesellschaft LEG und dem Versorger Innogy, stellte jedoch die Bezahlbarkeit solcher Flatrates infrage. Die aktuellen LEG-Mieten liegen bei etwa fünf Euro pro Quadratmeter deutlich niedriger. "Wir müssen nicht nur im Neubau, sondern auch im Altbau der 50-er bis 70-er Jahre Lösungen finden", sagte sie. Zunächst werde ihr Unternehmen bei zehn Prozent der Gebäude die alten Heizungen modernisieren. Dies sei "weniger sexy", dafür aber durchaus "bodenständig". Mieterstrom- und Mietergasmodelle mit BHKW- oder Solaranlagen oder gar E-Mobilität seien zwar auch langfristig angedacht, aber jetzt noch nicht umsetzbar.

Energieexperte Leukefeld identifizierte für Energieversorger derweil drei potenzielle Vorteile durch Wohnflatrates. Sie könnten überschüssige Wärme und Strom in der Nachbarschaft vermarkten, mit Speichern ihr Netz besser aussteuern und drittens "das Geschäftsfeld Elektromobilität aufziehen". Dreh- und Angelpunkt für solche energieautarken Häuser seien groß dimensionierte Wärmespeicher (9.000 Liter), die in den Abend- und Nachtstunden einspringen, wenn keine Sonne scheint. Solche Systeme sollten am besten mit der Quartiers-Wärmeversorgung des Versorgers vernetzt sein, so seine Empfehlung. "Wir haben das Thema Wärmespeicherung in Deutschland komplett verschlafen", kritisierte Leukefeld. /mt

Möchten Sie immer so gut informiert sein? Dann testen Sie jetzt den energate messenger+!