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BKW-Chefin Thoma: "Blockchain ist für uns noch kein Thema"

Für den Berner Versorger BKW spielt die Digitalisierung der Energiewirtschaft eine wichtige Rolle. Das gelte sowohl intern als auch extern, sagte BKW-Chefin Suzanne Thoma im Interview mit der e|m|w. So setze die BKW im Geschäftsfeld Dienstleistungen unter anderem auf digitales Management dezentraler Produktion. "Ausserdem treiben wir beispielsweise Entwicklungen im Bereich der intelligenten Gebäude voran", denn diese würden immer mehr zu einem integralen Bestandteil des künftigen Energieversorgungssystems.

Die dezentrale digitale Verschlüsselungstechnik Blockchain indes ist für die Berner "derzeit kein Thema". "Wir erleben seit der Finanzkrise eine Verschiebung von bilateralen Handelsgeschäften zu Börsen", so Thoma weiter. Das sei von den Regulatoren erwünscht, weil es sicherer sei. Börsen ermöglichten eine transparente und effiziente Preisbildung und seien deshalb für liberalisierte Märkte von zentraler Bedeutung. Die BKW sehe nicht, wie eine Verschlüsselungstechnik für bilaterale Geschäfte diese Funktion in naher Zukunft übernehmen könnte.

Thoma bezeichnete als "wichtigen Entscheid", dass die BKW 2012 beschlossen habe, auf die drei Geschäftsfelder Energie, Netze und Dienstleistungen zu setzen. Dadurch reduziere die BKW die Abhängigkeit von den anhaltend tiefen Strompreisen im Grosshandel und dieses Umfeld sei nach wie vor sehr anspruchsvoll. Herausfordernd sei das Umfeld auch mit Blick auf Brüssel. Insgesamt sei die aktuelle Lage herausfordernd. Das fehlende Stromabkommen mit der EU respektive die ausbleibende Marktkopplung sei aber kein expliziter Vor- oder Nachteil für die BKW.

Eindeutige Position bezog Thoma in Sachen Atomausstiegsinitiative, über die das Volk im Herbst entscheidet. "Wir sind klar gegen die Initiative", so der BKW-CEO. Der Ausstieg aus der Kernenergie sollte geordnet ablaufen und nicht überhastet. Wie das Stilllegungsprojekt des Kernkraftwerks Mühleberg zeige, sei eine detaillierte Planung mit genügend zeitlichem Vorlauf von zentraler Bedeutung. Ein überhasteter Ausstieg könne zu unnötigen Wissensverlusten führen und bringe mit grosser Sicherheit sehr hohe finanzielle Risiken für die Unternehmen mit sich. "Wir sind der Ansicht, dass mit der Energiestrategie 2050 ein vernünftiger Weg eingeschlagen wird", so Thoma.

Beim Mühleberg-Rückbau wird die BKW "viel von den Erfahrungen aus Deutschland profitieren", präzisierte Thoma. Gerade in Deutschland gebe es verschiedene Reaktoren, die bereits stillgelegt seien oder momentan zurückgebaut würden. Die BKW habe auch Experten aus Deutschland angestellt. Der Erfahrungsaustausch mit Deutschland sei äusserst wertvoll, denn die BKW kenne die technischen und planerischen Herausforderungen, die es bei dem Grossprojekt Mühleberg gebe.

Dass die BKW als Unternehmen heute relativ gut dasteht, hat gemäss Thoma weder mit vermeintlich günstigem Atomstrom aus Mühleberg noch mit den gefangenen Kunden zu tun. "Wir können nur 15 Prozent unserer Produktion an Monopolkunden absetzen. 85 Prozent ist voll dem freien Markt ausgesetzt", so die BKW-Chefin. Wenn das Unternehmen heute gut dastehe, sei dies darauf zurückzuführen, dass die BKW eine klare Strategie verfolge und diese konsequent und zügig umsetze.

Das Interview findet sich in der jüngsten Ausgabe der e|m|w, die mit einem umfassenden Sonderteil Schweiz erschienen ist. Hier können Sie sich das gesamte Interview kostenfrei herunterladen.